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Calwer Museumslandschaft in Corona-Zeiten


Auch die Calwer Museumslandschaft hat die Corona-Pandemie hart getroffen. So mussten zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger und aller Mitarbeiter die vier städtischen Museen sowie die ehrenamtlich geführten Einrichtungen wie das Gerbereimuseum und das Bauernhausmuseum in Altburg vorübergehend für den Publikumsverkehr schließen oder sind noch immer geschlossen. Zahlreiche und aufwendige Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Doch die Pandemie birgt auch Chancen.

„Natürlich war es für uns ein harter Schlag, dass wir unmittelbar nach Ausbreitung von Covid-19 unseren Literarischen Salon mit Gästen aus der regionalen Politik, der Wirtschaft und dem sozialen Umfeld sowie die Performance ‚Philosophy meets Jazz‘ um die Münchner Opernsängerin Hannah Zitzmann oder die Matinee mit der damaligen Hesse-Stipendiatin Katrin Seddig frühzeitig absagen mussten, ganz zu schweigen von unserer Sonderausstellung ‚Schwarz.Wald.Bunt‘ im Klostermuseum“, bedauert Timo Heiler, Leiter der Städtischen Museen, das Geschehene.
Hermann Hesse Museum in Calw

Noch vor der sanierungsbedingten Schließung des Hermann Hesse Museums wollte Timo Heiler einen ersten Vorgeschmack auf die zukünftige inhaltliche Ausrichtung des Hauses bieten. Daraus wurde bekanntlich erst einmal nichts, wenngleich er sich bemüht, einige Veranstaltungen noch in diesem Jahr nachzuholen. Doch einfach sei dies unter den gegebenen Umständen nicht: „Unsere Veranstaltungen leben vom Dialog unserer Künstler mit den Besuchern, auf dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch, wie wir zum Beispiel mit Literatur und Sprache in einer Zeit der Kommunikation über Emojis umgehen, und diesen Austausch und die dazugehörige Atmosphäre sehe ich im Moment noch sehr gefährdet.“ Schließlich gehe es ihm auch darum, in dieser schwierigen Zeit kein falsches Zeichen zu setzen: „Das Virus ist immer noch allgegenwärtig und der Kulturbetrieb daher auf unbestimmte Zeit leider noch weit von der Normalität entfernt“, ist sich der Kulturwissenschaftler sicher.

Andererseits habe die Corona-Krise neue Impulse für die Entwicklung neuer Vermittlungsformate, allen voran in digitaler Form, mit sich gebracht, denen sich das Museumsteam zuwendete. „Sehr gute Resonanz erfährt unsere aktuelle Online-Ausstellung ‚Steppenwolf und Malerfreund‘, die in Kooperation mit der Deutschen Digitalen Bibliothek entstand und neben den illustrierten Blättern Gunter Böhmers zu Hesses bekanntesten Roman auch die Freundschaft zwischen den beiden Künstlern thematisiert. Ein tolles und vielschichtiges Angebot, gerade auch für Schüler, die sich mit Hesses ‚Steppenwolf‘, immerhin im kommenden Jahr Abithema, außerschulisch auseinandersetzen können“, berichtet Heiler.

Solche digitalen Angebote möchte der Leiter der Städtischen Museen in Zukunft fortsetzen, um vor allem den mit Calw verbundenen Künstlern, etwa Rudolf Schlichter und Kurt Weinhold, eine neue Plattform bieten zu können. „Gleichzeitig haben wir mit solchen Projekten die Möglichkeit, auch unsere Kunstbestände Schritt für Schritt zu digitalisieren und sie auf diese Weise langfristig zu sichern“, schaut Heiler schon ein wenig in die Zukunft. Wie sehr sich solche digitalen Angebote jedoch auch für haptische Ausstellungen eignen, zeigt der Umstand, dass auf der Grundlage der Online-Ausstellung er und seine Kollegin Ute Lilly Mohnberg aktuell eine Sonderausstellung vorbereiten, die ab Mitte Oktober im Foyer des Calwer Rathauses zu sehen und als Wanderausstellung angelegt ist, um sie direkt in Schulen präsentieren zu können. Auch dies sei ein Ansatz, den die Pandemie in den vergangenen Wochen beschleunigte. Gemäß dem Motto, „wenn Ihr unter den gegebenen Sicherheitsauflagen nicht zu uns ins Museum kommen könnt, so kommen wir gerne mit unseren Angeboten zu Euch“.

Mit Blick auf die nahe Zukunft freut sich Timo Heiler auf die kommenden großen Aufgaben, die nun vor der Tür stehen und bereits in der konkreten Planung sind: „Dass wir dank der Unterstützung unserer Gemeinderäte nun die Möglichkeit erhalten, gemeinsam das Hermann Hesse Museum in seiner Gesamtheit bau- und ausstellungstechnisch, didaktisch und pädagogisch neu ausrichten zu können und es mit einem neuen Museumskonzept zu einem bedeutenden literarischen Leuchtturm mit internationaler Strahlkraft zu entwickeln, stellt eine wunderbare Lebensaufgabe dar. Als Einwohner dieser Stadt werden wir von dieser nachhaltig stark profitieren, wenn wir unser großes Alleinstellungsmerkmal, das Zusammenspiel von Natur und Kultur, weiter stärken, von dem Besucher aus allen Teilen der Welt fasziniert sind“, ist sich Heiler sicher.

Als kulturelles Highlight zählt er auch das 2021 anstehende Jubiläum zum 950-jährigen Bestehen der St. Aurelius-Kirche in Hirsau. „Dass wir uns hierbei mit zwei Sonderausstellungen im Klostermuseum beteiligen dürfen, wovon vor allem die Präsentation einer Ikonensammlung, wie wir sie in der Region in dieser Zusammenstellung noch nicht besichtigen konnten, herausragen wird, bedeutet eine weitere Stärkung unserer hiesigen Museumslandschaft.“
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